Lego Arzt

Hilfe, warum ist alles so eckig?

Seit einiger Zeit spielt meine liebe Tochter mit Lego Duplo Apps. Ich finde die ganz toll und habe sie irgendwann einfach zum Ausprobieren runter geladen. Meine Tochter hat einen Riesenpaß damit. Vor allem liebt sie es, den Figuren neue Frisuren, Kleider und Gesichter auszusuchen. Ich habe die Apps natürlich zuerst gespielt und ausprobiert. Ich fand sie ganz gut. Man lernt was dabei, sie sind sehr harmlos und genau an den Interessen von Kindern in dem Alter orientier. Also dachte ich mir nichts dabei und lud sie herunter.

Aber dann passierte etwas seltsames: ich fing an nachts zu träumen, dass ich eine Legofigur bin. Und meine Welt um mich herum war total eckig, kunterbunt. Die Bauten ergaben keinen Sinn und man konnte nicht in sie hineingehen. Außerdem fehlte jedes bisschen Natur. Ich hatte total unpraktische Zangenhände, mit denen ich fast nichts machen konnte. Im Spiegel sah ich schrecklich aus. Viel zu breites Gesicht. Die Frisuren sahen alle doof aus und ich war extrem klein. Außerdem null Körpergefühl.

Zu allem übel, konnte meine Tochter mir per App ständig neue Frisuren, Gesichter und Kleidung aussuchen. Das tat sie nahezu ohne Pause. Es war die reinste Qual.

Ich würde gerne wissen, ob Kinder auch solche Träume haben. Eines finde ich aber bemerkenswert. Ich habe davor Jahrelang mit Lego Duplo gespielt und nie so etwas geträumt. Die Apps habe ich nur kurz gespielt. Ein paar Stunden. Und schon träume ich davon, in dieser Welt zu leben. Vermutlich sind es die bewegten Bilder, die uns so in den Bann ziehen.

Ist das für kleine Kinder nun gut oder schlecht? Ich kann mich nicht so richtig entscheiden.

 

 

Die Revolution der Medien!

Ich habe gerade angefangen ein weiteres spannendes Buch über unsere Unterhaltungskultur zu lesen. Und wieder steht Youtube im Zentrum eines – diesmal wissenschaftlichen – Werkes. „Understanding Youtube“ von Roman Marek zeigt mir erneut, wie tiefgreifend der Wandel unserer Unterhaltungsmedien ist. Ich würde sogar von einer Revolution sprechen.

Warum? Weil wir bisher im Bereich Unterhaltung immer nur Konsumenten waren. Das Gefühl Konsument zu sein, ist eines der Gefühle, dass mir selbst immer weniger behagt. Ich fühle mich immer mehr manipuliert und fühle mich immer mehr auf diese Rolle beschränkt.

In der Welt des Konsums hat sich deshalb ein neues Wort etabliert: Der Prosument! Es beschreibt, dass wir inzwischen bei immer mehr Dingen nicht mehr nur Konsumenten sind, sondern gleichzeitig auch Produzenten sind. Das Modell hat sich vor allem als Crowdfunding etabliert, aber auch in Bewegungen wie Selfmade, Handwerkermärkten und Läden, die Regale für verschiedene kleine Produzenten vermieten sowie als Solidarische Landwirtschaft und Mietshäusersyndikaten.

Genau diese Bewegung erlebt zeitgleich der Medienmarkt: mit Youtube, Bloggern, Selfpublishern, Independent-Filmemachern, die inzwischen auch eigene Film-Verleihe aufbauen. Dazu unterstützen soziale Netzwerke – noch! – diese Bewegung. Wobei bei einigen Netzwerken wie Facebook immer mehr kommerzielle Interessen im Vordergrund stehen und sie langsam zu einer klassischen kommerziellen Werbe- und Verkaufsdatenbank umstrukturiert werden. Aber ich sehe auch, wie sich diese Entwicklung rächt und viele Jüngere sehr sensibel diese Kommerzialisierung von Netzwerken spüren und sich anderen Netzwerken zuwenden. Ein bisschen ist es, als wären wir eine Community von Mietverweigerern oder Hausbesetzern, die freies Land zum Leben und Atmen suchen, während es gegensätzliche Bestrebungen gibt, alles zu verkommerzialisieren.

Immer mehr möchte ich Inhalte selbst gestalten und Inhalte von Menschen bekommen, die diese nicht professionell erstellen. Ich weigere mich seit einigen Jahren Zeitungen und Fernsehen zu abonnieren und suche mir meine Informationen im Internet zusammen. Natürlich stoße ich dabei auch gelegentlich auf einen guten Zeitungsartikel. Aber schön ist, dass ich keine Zeitung abonniere, sondern, dass dieser Artikel von meiner Community ausgesucht und gepostet wurde und ich Informationen fast nur noch auf diesen Weg oder im persönlichen Gespräch erhalte. Ich liebe diese Art der Information. Und teilweise fühle ich mich sogar ganz wohl damit, nicht über alles informiert zu sein.

Ich spüre aber immer wieder den Druck, vor allem von Menschen, die älter sind als ich, mich doch über alles zu informieren. Gleichzeitig spüre ich aber auch das Ohnmachtsgefühl meiner Generation, dass sich aus der Gewissheit speist, dass Informationen erstens nie neutral verfasst sind und ich zweitens auch mit höchster Informiertheit so wenig an den meisten Dingen (Kriege, Armut, Hunger, Ungerechtigkeiten) ändern kann.  Dazu kommt, dass Informationen, egal über welches Medium, vorgefiltert sind. Bestimmte Dinge schaffen es gar nicht in die Medien (z.B. Selbstmorde; Mobbing; Anzahl der Gewaltopfer in Städten wie Belfast; Hungertote, wenn es nicht Tausende auf einmal sind, Vergewaltigungsopfer; welche Vorstände sich wieder mal die Gehälter erhöhen, und wie viel sie gleichzeitig ihren Mitarbeitern zahlen; Staatsverschuldung usw.) Das heißt, ich erfahre von Medien, was ich deren Meinung nach erfahren soll. Interessieren würden mich aber auch andere Dinge.

Ich kenne immer mehr Menschen, die sich der kollektiven Informierung durch Medien verweigern. Gleichzeitig erobern wir über das Internet den Medienbereich für uns zurück. Wir Alle! Das ist die Revolution!

Wir gestalten Medien als Blogger, als Youtuber, als Selfpublisher. Ich habe das Gefühl, als würden wir uns eines unserer wichtigsten Rechte zurück erobern: Die Informationsfreiheit.

Lange Zeit wurden wir durch Medien, deren Selektion und einseitige Berichterstattung geleitet. Heute können wir Dank des Internets unsere Information selbst auswählen und zusammen stellen und selber zum Medienschaffenden werden, ohne uns an die Regeln und Zwänge dieser Institutionen zu halten.

Dadurch befreien wir uns selbst. Wir werden zum Gestalter in einem Bereich, in dem wir lange Zeit nur Konsumenten waren.

Deshalb fühlt sich Selfpublishing für mich auch so richtig an. Ich bin der Meinung, dass wir selber Informationen und Medien gestalten sollten, dass wir selber publizieren sollten. Wir Alle! Nur dann können die Medien komplett demokratisiert werden. Wenn sie in unseren Händen liegen!

Mäusemelken für Autoren

Seit einigen Tagen beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema, welches Programm ich zum Erstellen und Konvertieren meines eBooks verwenden soll. Es ist tatsächlich zum Mäusemelken. Ich kenne inzwischen namentlich Sigil, Calibre, Jutoh, Scrivener und die hauseigene Kindle-Software. Aber bevor ich nicht alle diese Programme getestet habe, bin ich keinen Schritt weiter.

Warum? Weil ich selbst erstellte Illustrationen und ein besonderes Layout verwenden möchte. Gleichzeitig tue ich mich aber etwas schwer mit CSS, weil eigentlich nie gelernt, was aber dank Internet kein Problem ist, da mann alle Befehle googlen kann. Außerdem möchte ich am Ende noch ein ganz schlankes eBook, da der Vertrieb bei Amazon pro MB berechnet wird. Also, eigentlich habe ich das selbe Problem wie viele Autoren.

Nach dem Studium ALLER in unserer städtischen Bibliothek erhältlichen Bücher, kann ich nur sagen, mein Formatierungsproblem wird darin nicht besprochen, auch nicht, welches Programm wie das kleinste Datenpaket schnürt. Eine Erklärung der inzwischen mehrfach überholten Kindle-Software fehlt völlig.

Das Problem: Alle Bücher waren in dem Zeitpunkt als sie gedruckt wurden auch schon veraltet. Es ist also wirklich zum Mäusemelken.

Die Selfpublisher-Bibel von Matthias Matting, die mir bisher ganz gut geholfen hat, empfiehlt Jutoh, erklärt aber nicht welche Formatierungen ich mit welcher Software hin bekommen, leider auch nicht, was die neueren Programme von Kindle schon alles können. Für Jutoh habe ich leider auch noch kein gutes Tutorial gefunden. Die Bücher, die ich ausleihen konnte, kennen Jutoh noch gar nicht.

Fazit: Die Vielzahl der verwendbaren Programme wird langsam unübersichtlich. Eine Hilfe zum Vergleich (Seite, Buch o.ä) habe ich bisher nicht gefunden. Also lade ich mir gerade jeden Tag eine neue Software herunter und teste, was diese kann. Das kostet wirklich Unmengen Zeit.  Am Ende wäre ich mit Sigil und einem kleinen html- und CSS-Handbuch vermutlich doch schneller gewesen.

Ich freue mich schon auf das Drucklayout und frage mich, ob ich dann wieder von vorne anfangen muss.

Ja, irgendwie ist mein Glas heute halb leer. Also, versuche ich hier noch die positiven Seiten zu erwähnen.

Ich wiederhole html.

Vielleicht lerne ich auch noch ein wenig CSS, um das ich mich immer gedrückt habe.

Ich lerne ein paar nette Programme kennen.

Ich bessere mein Englisch auf, weil einige der Programme und die Tutorials nicht in Deutsch verfügbar sind.

Falls ein Autor hier wirklich sinnvolle Tipps hat, bitte melden!

Allen anderen wünsche ich ebenfalls viel Erfolg bei der Suche nach der geeigneten Software.

Nachtrag: Interessante Beiträge hierzu findet man im literturcafe

 

Die saubere Welt des Inspector Barnaby

Die englische Serie Inspector Barnaby läuft seit Jahren auf ZDF, einem öffentlich-rechtlichen durch Steuermittel subventionierten Altmedium, wie wir dies in jungen Autorenkreisen inzwischen nennen. Einer der wohl berühmtesten deutschen Fans der Serie soll Angela Merkel sein. Ich habe die Serie einige Male selbst gesehen und mich irgendwie dabei total gelangweilt. Irgendwann habe ich mich gefragt, woher die Langeweile rührt.

Da wäre dramaturgisch zu nennen, dass die Folgen irgendwie alle total gleich ablaufen, was bei einer Serie aber üblich ist. Es gibt keine besondere Struktur, es gibt – zumindest für junge Menschen – gähnend langweilige Verbrechen.

Aber das schrägste ist das Setting. Das es mir nicht gleich aufgefallen ist. Ein Freund musste mich darauf hinweisen. Es ist nicht nur die erfundene Grafschaft Midsommer. Hier ist alles noch beim Alten. Die Autos sind zwar neu, aber die Häuser sind alle alte niedliche Fachwerk- und Backsteinhäuschen. Es ist immer sauber. Keine billigen Betonburgen, keine Sprayer, keine Flaschensammler, keine Bettler, keine Punks, keine assozialen Subjekte, keine arme Unterschicht, keine Männer, die im Park morgens schon ihr Bier trinken, keine Mütter, die mit Kippe im Mund den Kinderwagen vor sich her schieben. Und das „Allerbeste“: keine Migranten, keine Afrikaner, Pakistanier, Inder oder sonst irgendwelche Gruppen, von denen Großbritanien nun wirklich seit Beginn der Kolonialisierung genug hat und die inzwischen auch in den kleinsten, saubersten und britischsten Orten fester Bestandteil der Gesellschaft und des Stadtbildes sind.

„Ethnisch gesäubert“ nenne ich das! Ein Thema, dass die Produzenten der Serie ebenso totschweigen wie die öffentlich-rechtlichen Einkäufer, die das in Deutschland ausstrahlen. Eine heile Welt für Menschen, die sich nach alten Zeiten zurück sehnen. Jetzt wundert mich nicht mehr, dass Angela Merkel Fan der Serie ist. Es passt ins restliche verklärende Programm der öffentlich-rechtlichen Altmedien, deren Zuschauer im Schnitt auch nicht jünger werden. Es ist die Sehnsucht nach der heilen Welt, die im Programm von Inspector Barnaby bis Traumschiff und Rote Rosen mitschwingt.

Steuerfinanzierter Realitätsverlust – nenne ich das – oder staatlich geförderter Eskapismus.

Hier geht’s zum steuerfinanzierten Programm der öffentlich-rechtlichen:

Programm von ARD

Programm vom ZDF

Die Bibliothek der Zukunft

In Zeiten des extremen Wachsens der Wissens- und Datenmengen werden Bibiliotheken andere Zwecke und Nutzungen anbieten müssen als in der Vergangenheit. Die Bibliotheken haben heute nicht mehr nur die Funktion einer reinen Präsenzbibliothek. Andere Funktionen treten in den Vordergrung, wie z.B. als Treffpunkt, Kulturraum, Veranstaltungsort, Ort des Lernens, als digitale Bibliothek. Hierzu gehören neben einer neuen offenen Architektur auch der Ausbau digitaler Medienangebote und eine gute Öffentlichkeitsarbeit. Ein Blog gehört inzwischen für einige deutsche Bibliotheken zum wichtigen Instrument der Öffentlichkeitsarbeit, so zum Beispiel bei der Stadtbibliothek Wolfsburg.

Mehr Infos zur Bibliothek der Zukunft

Bibliothek der Zukunft in Berlin

Gronkh als Seelsorger der YouTube-Community

Seit kurzem sehe ich Let’s Plays bei YouTube. Gronkh ist derzeit der erfolgreichste deutsche Youtuber. Er hat seinen Erfolg weder den Computerspielen, die er spielt noch dem Spaßfaktor seiner Let’s Plays zu verdanken. Womit er seine Fans und Follower für sich gewinnt, sind die Geschichten, die er erzählt. Und zwar, persönliche Geschichten. Für die junge YouTuber-Generation scheint er eine Art Seelsorger zu sein, der Halt gibt und ehrliche Werte vermittelt. Dadurch erreicht er eine hohe Authentizität. Auch die Kommentare auf YouTube bestätigen diese Einschätzung. Von Gronkh kann man lernen, wie authentisches Storytelling heute funktionieren muss.

Das Let’s Rutsch von Gronkh ist eine Art Reflektion und Lebensberatung:

Gronkhs Let’s Rutsch 2015