Generation Z: Die Kuschelkohorte?

Titel: Generation Z: Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt

Autor: Christian Scholz

Verlag: Wiley-VCH

Genre: Sachbuch, populärwissenschaftlich (meine Einschätzung), Fachbuch würde ich eher nicht sagen, dafür fehlt mir die Wissenschatlichkeit!

Die Einteilung in eine Generation ist eine starke Verallgemeinerung, es ist auch Spekulation. Das gibt Christian Scholz selbst zu. Er führt eine Menge interessanter Literatur an, um seine vielen Thesen zu belegen. Literatur, die wiederum selbst Thesen beinhaltet. Direkte Nachweise seiner Aussagen, z.B. durch Statistiken fehlen weitestgehend. Deshalb ist dies sicher kein wissenschaftliches Buch – allenfalls ein populär-wissenschaftliches.

Und trotzdem gelingt es ihm eine Menge interessanter Entwicklungen aufzuzeigen.

Der Großteil des Buches widmet sich der Charakterisierung der Mitglieder der Generation Z als Arbeitnehmer. Insofern ist es wohl für den klassischen PR-Berater und Recruiter eine gute Lektüre. Die „Kuschelkohorte“ wird beschrieben, als immer online und bequem, als anspruchsvoll. Dass man auch von zuhause aus oder vom Café aus arbeiten darf, wird genauso selbstverständlich angesehen, wie der pünktliche Feierabend. Hier hat der Autor sicher nicht ganz unrecht, denn dem Buch liegt die These zugrunde, dass die Generation Z es sich aussuchen kann, wo sie arbeitet. Denn uns werden laut vielen Hochrechnung eine Menge gut qualifizierter Arbeitskräfte fehlen. Ob diese Voraussagen so eintreffen werden, ist aber reine Spekulation. Eines ist jedoch klar, die jüngere Generation hat mehr Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen. Heute kann man als Blogger, Youtuber, Selfpublisher oder mit handwerklichen Arbeiten auf etsy selbst ein Einkommen erwirtschaften, ohne darauf angewiesen zu sein, einen Job anzunehmen, der einem absolut nicht zusagt, zumindest wenn man gut ausgebildet ist. Falls es hierdurch tatsächlich zu einer Verknappung kommen sollte, die im Moment nur bestimmte Branchen (Handwerk) betrifft, dann werden Arbeitgeber in Zukunft wohl wirklich gute Arbeitsbedingungen anbieten müssen, um Nachwuchs zu bekommen.

Christian Scholz schreibt für die Wirtschaft – vor allem für den HR-Bereich. Die hier verbreitete Angst, dass in Zukunft nicht mehr die Arbeitgeber, sondern die Arbeitnehmer die Arbeitsbedingungen diktieren könnten, hat ihn offenbar zu diesem Buch motiviert. Immer wieder nimmt er diese Sichtweise auf, um aufzuzeigen, wie wichtig ein frühes Umdenken im Personalbereich notwendig ist. Bei mir erweckte er damit den Eindruck, dass er vor allem für sich als Berater und Redner werben möchte. Und sicher wird es genügend Firmen geben, die sein Konzept der Verallgemeinerung und Weissagung als Anlass nehmen werden, ihn als Berater anzuwerben.

Am Ende widmet der Autor sich dennoch der Generation Z als Konsumenten. Aufgrund der Knappheit dieses wichtigen Themas, wage ich zu spekulieren, dass hier nicht sein eigentliches Beratungsgebiet liegt. Dennoch stellt er hier wichtige Ergebnisse heraus: Nämlich die Wichtigkeit von „Kuratoren“: Also von Menschen, die in Blogs, Youtube oder Social Media für ein Produkt oder eine Marke werben. Damit hat er eine sicher richtige, wenn auch relativ offensichtliche Veränderung im Handel festgestellt (ähnlich bei Chris Anderson in The Long Tail).

Er stellt heraus, dass das Produkt in Zukunft wichtiger ist, als die Marke. Bei diesen Ausführungen fehlt mir leider die Belegung dieser Spekulation. Außerdem bleiben im Gegensatz zum HR-Bereich im ersten Teil des Buches die Ausführungen sehr kurz und vage.

Stilistisch ist das Buch unterhaltsam und kurzweilig geschrieben. Es hat Spaß gemacht es zu lesen. Für alle, die im HR-Bereich tätig sind, ist es sicher empfehlenswert sich auf diese Weise dem Thema Veränderung in der Nachwuchsgewinnung zu nähern.

Für mich leider nur 3 von 5 Punkten.

Denn trotz gutem Unterhaltungswert und einer guten Zusammenfassung, der zur Generation Z erschienen Literatur, ist der Wahrheitsgehalt fragwürdig. Daher ein Punkt Abzug wegen des mangelndes Wahrheitsgehaltes und der vielfachen Spekulation, einen weiteren Punkt Abzug, gibt es, weil ich mir mehr Statistiken erhofft hatte oder zumindest teilweise der Verweis auf wissenschaftliche Studien.

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