Die Revolution der Medien!

Ich habe gerade angefangen ein weiteres spannendes Buch über unsere Unterhaltungskultur zu lesen. Und wieder steht Youtube im Zentrum eines – diesmal wissenschaftlichen – Werkes. „Understanding Youtube“ von Roman Marek zeigt mir erneut, wie tiefgreifend der Wandel unserer Unterhaltungsmedien ist. Ich würde sogar von einer Revolution sprechen.

Warum? Weil wir bisher im Bereich Unterhaltung immer nur Konsumenten waren. Das Gefühl Konsument zu sein, ist eines der Gefühle, dass mir selbst immer weniger behagt. Ich fühle mich immer mehr manipuliert und fühle mich immer mehr auf diese Rolle beschränkt.

In der Welt des Konsums hat sich deshalb ein neues Wort etabliert: Der Prosument! Es beschreibt, dass wir inzwischen bei immer mehr Dingen nicht mehr nur Konsumenten sind, sondern gleichzeitig auch Produzenten sind. Das Modell hat sich vor allem als Crowdfunding etabliert, aber auch in Bewegungen wie Selfmade, Handwerkermärkten und Läden, die Regale für verschiedene kleine Produzenten vermieten sowie als Solidarische Landwirtschaft und Mietshäusersyndikaten.

Genau diese Bewegung erlebt zeitgleich der Medienmarkt: mit Youtube, Bloggern, Selfpublishern, Independent-Filmemachern, die inzwischen auch eigene Film-Verleihe aufbauen. Dazu unterstützen soziale Netzwerke – noch! – diese Bewegung. Wobei bei einigen Netzwerken wie Facebook immer mehr kommerzielle Interessen im Vordergrund stehen und sie langsam zu einer klassischen kommerziellen Werbe- und Verkaufsdatenbank umstrukturiert werden. Aber ich sehe auch, wie sich diese Entwicklung rächt und viele Jüngere sehr sensibel diese Kommerzialisierung von Netzwerken spüren und sich anderen Netzwerken zuwenden. Ein bisschen ist es, als wären wir eine Community von Mietverweigerern oder Hausbesetzern, die freies Land zum Leben und Atmen suchen, während es gegensätzliche Bestrebungen gibt, alles zu verkommerzialisieren.

Immer mehr möchte ich Inhalte selbst gestalten und Inhalte von Menschen bekommen, die diese nicht professionell erstellen. Ich weigere mich seit einigen Jahren Zeitungen und Fernsehen zu abonnieren und suche mir meine Informationen im Internet zusammen. Natürlich stoße ich dabei auch gelegentlich auf einen guten Zeitungsartikel. Aber schön ist, dass ich keine Zeitung abonniere, sondern, dass dieser Artikel von meiner Community ausgesucht und gepostet wurde und ich Informationen fast nur noch auf diesen Weg oder im persönlichen Gespräch erhalte. Ich liebe diese Art der Information. Und teilweise fühle ich mich sogar ganz wohl damit, nicht über alles informiert zu sein.

Ich spüre aber immer wieder den Druck, vor allem von Menschen, die älter sind als ich, mich doch über alles zu informieren. Gleichzeitig spüre ich aber auch das Ohnmachtsgefühl meiner Generation, dass sich aus der Gewissheit speist, dass Informationen erstens nie neutral verfasst sind und ich zweitens auch mit höchster Informiertheit so wenig an den meisten Dingen (Kriege, Armut, Hunger, Ungerechtigkeiten) ändern kann.  Dazu kommt, dass Informationen, egal über welches Medium, vorgefiltert sind. Bestimmte Dinge schaffen es gar nicht in die Medien (z.B. Selbstmorde; Mobbing; Anzahl der Gewaltopfer in Städten wie Belfast; Hungertote, wenn es nicht Tausende auf einmal sind, Vergewaltigungsopfer; welche Vorstände sich wieder mal die Gehälter erhöhen, und wie viel sie gleichzeitig ihren Mitarbeitern zahlen; Staatsverschuldung usw.) Das heißt, ich erfahre von Medien, was ich deren Meinung nach erfahren soll. Interessieren würden mich aber auch andere Dinge.

Ich kenne immer mehr Menschen, die sich der kollektiven Informierung durch Medien verweigern. Gleichzeitig erobern wir über das Internet den Medienbereich für uns zurück. Wir Alle! Das ist die Revolution!

Wir gestalten Medien als Blogger, als Youtuber, als Selfpublisher. Ich habe das Gefühl, als würden wir uns eines unserer wichtigsten Rechte zurück erobern: Die Informationsfreiheit.

Lange Zeit wurden wir durch Medien, deren Selektion und einseitige Berichterstattung geleitet. Heute können wir Dank des Internets unsere Information selbst auswählen und zusammen stellen und selber zum Medienschaffenden werden, ohne uns an die Regeln und Zwänge dieser Institutionen zu halten.

Dadurch befreien wir uns selbst. Wir werden zum Gestalter in einem Bereich, in dem wir lange Zeit nur Konsumenten waren.

Deshalb fühlt sich Selfpublishing für mich auch so richtig an. Ich bin der Meinung, dass wir selber Informationen und Medien gestalten sollten, dass wir selber publizieren sollten. Wir Alle! Nur dann können die Medien komplett demokratisiert werden. Wenn sie in unseren Händen liegen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s