Der Sprung

Ein Hoch auf die Einfachheit oder wie finde ich die passende Nische?

Meine Tochter liebt Miffiy, den kleinen Hasen, der vom holländischen Maler Dick Bruna entworfen wurde. Ich mag ihn ehrlich gesagt auch. Ich mag sogar Hello Kitty – so wie meine Tochter – wegen ihrer Einfachheit. Vor einiger Zeit war ich also mit meiner Tochter in Utrecht im Dick-Bruna-Haus. Es war sehr inspirierend, zu sehen, wie einfach Dick Bruna zeichnet und wie erfolgreich seine Figur weltweit ist.

Normalerweise besuche in allen Städten, die ich besuche, ein Museum für moderne Kunst, weil ich moderne Kunst sehr mag. Ich habe aber zuweilen Probleme mit dem Maß der Abstraktion und verstehe manchmal nicht, warum die Zeichnungen von Keith Haring beispielsweise so viel mehr wert sind als richtig tolle Kinderbuch-Illustrationen. Aber das ist wohl eine Frage des Marktes und nicht der Kunstfertigkeit. Ich merke jedoch, dass ich die Einfachheit mag und schätze. Und so geht es mir nicht nur beim Zeichnen, sondern auch beim Schreiben.

Ich dachte so einige Male beim Lesen moderner deutscher Lyrik, es ist mir zu hoch und ich werde wohl kein berühmter Lyriker werden. Ich mag die einfache Sprache. Ich liebe kurze Sätze. Ich ziehe gerne das Verb im Satz nach vorne. Ich liebe englische Literatur für ihre bildliche Sprache. Und keine Sorge – ich kriege den Bogen zu Miffy noch!

Ich liebe einfache Dinge, einfache Zeichnungen und einfache Sprache. Ich selbst zeichne sehr einfach und ich schreibe genauso. Kleine Kinder lieben meine Bilder und auch meine Geschichten. Im Gegenteil, Erwachsene finden meine Geschichten und Bilder manchmal suspekt, weil sie nicht wissen, wie sie die Einfachheit bewerten sollen, während Kinder einfach staunen und lachen. Eltern denken im Bezug auf Kunst in Schubladen und wenn sie etwas nicht einordnen können, dann haben sie plötzlich auch keine Meinung.

Ich habe immer wieder festgestellt, dass das wohl meine Nische ist: Ich passe einfach in das Genre Kinderbuch. Das wird mir immer mehr bewusst, vor allem, wenn ich Dick Brunas Zeichnungen sehe und die konsequente Einfachheit. Manchmal schäme ich mich meiner einfachen Bilder und ich frage mich, ob Dick Bruna das wohl auch tat. Aber eines ist sicher, er hat mit einem einfachen Hasen mehr Menschen erreicht als viele Maler, die Landschaften bis ins winzigste Detail nach zeichnen konnten und sicher auch mehr als viele Maler, die abstrakt malen.

Insofern hat mir ein Besuch im Dick-Bruna-Haus in Utrecht sehr viel Mut gemacht, meine Einfachheit zu pflegen und mich ihr nicht zu schämen. Ich denke, dass man seine Kunst ein Stück weit erkennen muss, um seine eigene Nische zu finden. Und es gibt tatsächlich einen Markt für ganz einfache Kunst! Ich habe im letzten Jahr einige Kunstkurse für Kinder angeboten und festgestellt, dass Kinder und auch Eltern sehr viel Spaß daran hatten neue und ganz einfache Dinge auszuprobieren.

Ich werde also bei meiner Einfachheit bleiben. Ich werde konsequent weiter Kinderbücher schreiben. Ich werde weiter viele schöne, einfache Figuren und Tiere malen. Ich werde mich nicht mehr verkünsteln oder zwingen eine ultimativ neue, metaphorische oder avantgardistische Sprache zu finden. Ich werde auf die Teilnahme an diversen Wettbewerben in Zukunft verzichten und statt dessen meine begonnen Kinderbücher zu Ende schreiben und ich werde mehr malen, auch wenn Erwachsene nicht wissen, was sie damit anfangen sollen.

Ein Blick in holländische Galerien und Wohnzimmer, aber auch zu einigen spanischen und amerikanischen Künstlern hat mir gezeigt, dass es Länder gibt, in denen einfache Zeichnungen und sogar Illustrationen durchaus als Kunst gelten. Nur in Deutschland gibt es eine strikte Trennung zwischen Kunstmarkt und Illustration. In den meisten Ländern ist der Illustrator auch Künstler. Und ich finde diese Sichtweise sehr entspannend. Die vielen spanischen und amerikanischen Künstler, mit denen ich auf instagram verbunden bin, bestärken mich in dieser Sichtweise.

Fazit: Erkennt, was ihr am liebsten und am besten tut. Und selbst wenn es die deutsche Schubladen-Sicht manchmal schwer macht, macht weiter in eurer Schublade.

Und zuletzt: Ein Blick ins Ausland ist manchmal nicht nur inspirierend, sondern auch sehr entspannend!

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